Angefangen Aufzuhören

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Fazit: Unsere Erfahrung mit Hypnobirthing

Wie bereits in meinem Geburtsbericht erwähnt, haben Marco und ich uns mithilfe des „Hypnobirthing“-Konzepts auf die Geburt unseres erstens Kinds vorbereitet. Nun möchte ich noch einmal rückblickend teilen, wie unsere Vorbereitung aussah und was uns besonders geholfen hat.

Die Hypnobirthing-Bücher

Zunächst hatten wir uns das Buch „Mama werden mit Hypnobirthing – So bringst du dein Baby vertrauensvoll und entspannt zur Welt“ von Bianca Maria Heinkel und Jhari Gerlind Kornetzky gekauft. Es ist gut geschrieben, doch ich habe es eher überflogen. Für mich persönlich war Vieles darin bereits bekannt oder selbstverständlich. So zum Beispiel die Wirkung von Hypnose, Visualisierungen, Entspannungstechniken und Affirmationen. Auch die Kriterien für die Wahl des passenden Geburtsortes waren für uns beispielsweie überflüssig, da wir uns schon informiert und für eine Hausgeburt entschieden hatten.

Für Einsteiger in diese Themen ist dieses Buch aber sicher gut geeignet! Was mir sehr gut gefallen und geholfen hat, sind die Audiodateien, die zum Buch gehören. Die Stimme der Sprecherin finde ich sehr angenehm und man kann wählen, ob man die Entspannungen mit oder ohne Hintergundmusik hören möchte. Die „Regenbogenübung“ ist die wichtigste Übung zur Geburtsvorbereitung. Man sollte sie so oft wie möglich anhören, in den letzten Wochen am Besten täglich. Der „Babytalk“ ist eine schöne Übung, um während der Schwangerschaft mit seinem Kind Kontakt aufzunehmen. Die Downloads gibt es hier kostenlos.

Das originale Hypnobirthing-Buch von der Begründerin Marie F. Mongan war beim Kurs den wir besuchten inkusive. Tatsächlich lasen wir aber nicht mehr viel darin, da im Kurs das Wichtigste aus dem Buch bereits besprochen wurde. Wer keinen Kurs besuchen kann, für den ist dieses Buch sicher empfehlenswert! Es umfasst das gesamte Konzept und die Übungen. Auch eine Audio-CD mit zwei Tracks ist enthalten. Die Regenbogenübung hat mir von der Sprecherin her leider nicht zugesagt, aber ich habe sie trotzdem angehört, bis ich die oben genannte Version gefunden hatte. Die Affirmationen hingegen habe ich sehr, sehr gerne angehört.

Der Hypnobirthing-Kurs

Um uns richtig gut vorzubereiten (und vorbereitet zu fühlen), entschieden wir uns für einen Hypnobirthing-Kurs bei Corinna Fuchs. In drei Unterrichtseinheiten erklärte Corinna uns die Methode, zeigte uns Geburtsvideos, führte uns in Tiefenentspannungen und beantwortete all unsere Fragen. Als besonders hilfreich empfanden wir dabei folgende drei Punkte.

Das kollektive Geburtstrauma

In der ersten Kurseinheit erzählte Corinna uns ausführlich, wie die Geburtshilfe sich über die Menschheitsgeschichte verändert hat. Von der Antike, in der Frauen aufgrund ihrer Gebärfähigkeit bewundert wurden, zu patriarchischen Zeiten, in denen Schwangere aufgrund ihrer mangelnden Unbeflecktheit geächtet wurden. Zu dieser Zeit durften Ärzte nur „unverschuldet Kranken“ helfen und somit wurden gebärende Frauen völlig allein gelassen.

In der Neuzeit entwickelte sich die Geburtshilfe dann mehr und mehr zu einem medizinischen Fachbereich. Instrumente wie die Geburtszange und die Saugglocke wurden erfunden, mit denen die Kinder aus dem Mutterleib geholt wurden. Eine weitere Neuerung war die routinemäßige Vollnarkose der Gebärenden mit Chloroform, die große gesundheitliche Risiken für Mutter und Kind mit sich brachte. Und viel schlimmer noch: All diese Entwicklungen führten die Frauen weg vom natürlichen und selbstbestimmten Gebären ohne Fremdeingriffe.

Marie Mongan, die Begründerin des Hypnobirthings, entschied sich damals dazu, ihr Kind bei vollem Bewusstsein selbst zu gebären. Mutig nahm sie es mit dem damaligen, medizinischen Status Quo auf. Als wir das alles hörten, waren wir ganz schön schockiert und uns wurde bewusst, was für ein schweres, kollektives Erbe wir da in uns tragen. Dazu kommt ja auch noch die eigene Geburtserfahrung, die jeder Mensch erlebt hat und die nicht immer unbelastet war. Eben solche negativen Erfahrungen aufzuarbeiten und eine neue, positive Einstellung zu gewinnen ist ein grundlegendes Ziel des Hypnobirthings.

Ängste loslassen durch Hypnose

Zum Anderen, machte Corinna in einer Sitzung eine Hypnose mit uns um unsere individuellen Ängste loszulassen. Dazu hatten Marco und ich als Hausaufgabe unsere ganz persönlichen Befürchtungen rund um die Schwangerschaft, die Geburt und die Zeit danach aufgeschrieben und offen miteinander besprochen.

Angst vor Übergewicht

Eine Sorge, die wir beide teilten war, dass mein Körper optisch unter der Schwangerschaft leiden könnte. Ich hatte nämlich immer guten Hunger und von Beginn an stetig zugenommen. Zwar hatte ich noch nicht zu viel zugenommen, aber wenn der Gewichtsanstieg so weiter gehen würde, befürchteten wir beide, dass ich sehr dick werden könnte. Und da ich leider ein großer Sportmuffel bin, machte das sowohl mir als auch Marco Sorgen.

Diese und andere Ängste die wir hatten, fügte Corinna in die Hypnose ein. Die Hypnose fühlte sich für uns beide entspannend und angenehm an. Und tatsächlich war sie offensichtlich auch sehr effektiv. Erst einige Zeit später merkten wir, dass das Thema Gewicht bei uns beiden gar nicht mehr aufkam. Die Angst war wie weggeblasen!

Im Nachhinein verstehe ich auch, dass diese Angst nur in unseren Köpfen gewesen war. Entgegen all der Leute die mir sagten, dass man in den letzten Wochen nochmal richtig arg zunehmen würde, war das bei mir nämlich nicht der Fall. Tatsächlich stagnierte mein Gewicht zum richtigen Zeitpunkt ganz von selbst. Am Ende meiner Schwangerschaft hatte ich insgesamt ungefähr 18 Kilo zugenommen, was bei 174 cm Körpergröße völlig in Ordnung ist. Nach der Geburt war mein Bauch auch schon fast wieder flach und ich bin mir sicher, dass die restlichen Kilos schnell verschwinden werden. Mit meiner veganen Ernährung, Stillen und Tragen regelt sich das ganz von selbst 🙂 Wie gesagt, waren diese Ängste reine Kopfsache und wir konnten sie durch die Hypnose gut loslassen.

Angst vor Komplikationen

Auch eine andere, ernsthaftere Sorge bekam ich mit Hypnobirthing gut in den Griff. Leider habe ich nämlich ein häufig wiederkehrendes Frauenleiden, das auch in der Schwangerschaft mehrmals auftrat. In Bezug auf die Geburt hatte ich große Angst, dass diese gesundheitliche Einschränkung Komplikationen bringen würde, vielleicht eine Klinikgeburt oder sogar einen Kaiserschnitt erfordern könnte.

Durch die Hypnose und besonders auch die positiven Affirmationen, die ich jeden Tag anhörte und verinnerlichte, konnte ich trotzdem optimistisch bleiben. Das heißt nicht, dass mich diese Ängste nicht ab und zu wieder einholten. Doch ich übte mich in Vertrauen und sagte mir, dass es so kommen wird, wie es kommen soll. Dabei half mir folgende Affirmation: „Ich bin bereit für jede Wende, die meine Geburt nehmen mag“. Schlussendlich war das Glück dann auch auf unserer Seite und ich konnte problemlos zu Hause entbinden.

Geburtsvideos

Sehr hilfreich fanden wir ebenso die Geburtsvideos, die wir im Rahmen des Kurses schauten. Noch nie zuvor hatten wir eine echte Geburt gesehen. Aus Filmen kannten wir lediglich die Bilder von schreienden Frauen, platzenden Fruchtblasen und Entbindungen im Krankenhaus. Eine Vorstellung davon zu bekommen, wie eine natürliche Geburt wirklich aussieht, beziehungsweise aussehen kann, war genau was ich brauchte. Auch für Marco wurde durch die Videos alles viel konkreter und greifbarer.

Wir beide konnten die Wellen jetzt als etwas Positives verstehen, einen natürlichen Mechanismus der das Kind auf die Welt bringt. Mir wurde klar, dass ich meinen Geburtsprozess ideal unterstütze, wenn ich meinen Körper entspanne und richtig atme. Denn so kann meine Gebärmutter richtig arbeiten und mein Baby und mein Körper werden ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Mit diesem Wissen, bekam auch Marco eine gute Vorstellung davon, wie er mich bei der Geburt unterstützen kann.

Tipp: Auf Youtube findest du zahlreiche Geburtsvideos von Frauen, die sich mit Hypnobirthing vorbereitet haben! Sie geben dir einen guten Einblick, wie sanfte Geburten ablaufen können.

Unser Fazit

Hypnobirthing hat mir unglaublich viel Entspanntheit und Vertrauen in mich, meinen Körper, mein Baby, meinen Mann und die Natur geschenkt. Darüber hinaus hatte ich dank der positiven Affirmationen eine durchwegs optimistische Einstellung zur Geburt und Marco und ich freuten uns richtig darauf! Unsere liebste Affirmation war: „Ich bin entspannt und glücklich, dass mein Baby endlich zu mir kommt!“.

Meine liebsten Affirmationen hängte ich mir an die Wand, um sie täglich zu sehen.

Trotz der Terminüberschreitung waren wir die Ruhe selbst. Täglich beruhigten wir die Menschen um uns, die immer wieder nachfragten, wann das Baby endlich komme. Wir sagten ihnen einfach, dass die Natur schon wisse, wann die richtige Zeit ist 🙂

Durch die regelmäßige „Regenbogenübung“ konnte ich bei der Geburt gut loslassen und die Ruhe- und Wellenatmung sehr gut umsetzen.

Marco wusste dank der Vorbereitung genau, wie er mich unterstützen und eine wohlige Atmosphäre für mich schaffen kann. Zudem war er darauf vorbereitet, in einem möglichen Notfall im Krankenhaus für mich zu sprechen und unsere Wünsche durchsetzen. Zu dieser Situation kam es zum Glück aber nicht. Stattdessen konnte ich zu Hause, bei entspannender Musik und Kerzenschein und mit der besten Unterstützung von meinem liebsten Mann Marco unser Kind gebären.

Unsere traumhafte und schnelle Geburt, die wir nach der Vorbereitung mit Hypnobirthing erleben durften, spricht für sich: Wir können Hypnobirthing allen werdenden Eltern nur empfehlen!

 

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3 Comments

  1. Hallo,ihr zwei glücklichen Eltern!Herzlichen Glückwunsch zu eurem liebenswerten Kind.Ich wünsche euch,dass ihr ihm viel Offenheit für alles Leben und Interesse an der Welt,außerdem auch viel Liebe, vermitteln könnt.

    Herzlichst
    Tine

  2. Liebe Karin, lieber Marco,

    ich freu mich sehr, dass ihr dem HypnoBirthing-Konzept soviel abgewinnen konntet. Auch ich habe den Kurs mit euch sehr genossen, ihr ward wirklich fleißige Schüler die sich viel Gedanken über das Erlernte gemacht haben. Bei der Umsetzung jedoch kann selbst die beste Kursleiterin nicht helfen, also Hut ab, ihr habt das hervorragend gemacht. Schön, dass ich euch bei einem der wichtigsten Teile eures Lebensweges begleiten durfte und schön, dass es so tolle Vorbilder wie euch gibt! Seid umarmt, Corinna.

  3. Melanie Hobiger

    6. Oktober 2017 at 9:59

    Liebe Karin, lieber Marco!

    Ich bin unendlich dankbar für Euer offenes Teilen all eurer Erfahrungen und auch intimen Gedanken in Bezug auf die Geburt von Leon.

    Ihr seid ein Vorbild für mich.

    Und an eurem Beispiel sehe ich wie wichtig es auch für mich ist, dass mein Mann bzw der Vater des Kindes an meiner Seite ist und mich unterstützt.

    Danke für all die Anregungen!

    Ich wünsche euch alles alles Liebe.
    Melanie

    PS: manchmal tut es echt weh, dass ich das mit Christoph damals verbockt hab …

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