Angefangen Aufzuhören

bedeutet für uns, gewohnte Denkweisen und Verhaltensmuster zu hinterfragen und alte, ausgediente Pfade bewusst hinter uns zu lassen.
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Unsere Lotusgeburt und Plazenta-Erdweihe

In meinem Artikel Vorbereitungen für eine natürliche Geburt hatte ich ja bereits angekündigt, dass wir für unser Baby eine sogenannte „Lotusgeburt“ planten und was uns dazu bewegt hatte. Bei dieser Methode wird die Nabelschnur nicht, wie oft üblich, direkt bei der Geburt abgeschnitten. Stattdessen wird bei der Lotusgeburt gewartet bis die Plazenta geboren ist und mindestens bis die Nabelschnur komplett auspulsiert hat, bevor man die Schnur abtrennt – wenn man sie überhaupt abtrennt. Eine „volle Lotusgeburt“ bedeutet nämlich, dass man mehrere Tage wartet bis die Nabelschnur ganz von selbst abfällt anstatt abgetrennt zu werden.

Drei Frauen hatten mir davon erzählt und es mir ans Herz gelegt. Für mich fühlte es sich von Anfang an richtig an! Nach der Lektüre von „Placenta – The forgotten Chakra“ machte es auch einfach nur Sinn. Auch gefiel mir, dass die Plazenta bei dieser Methode so gewertschätzt wird. Und das Wichtigste war für mich, dass ich nicht von außen in den Abnabelungsprozess meines Kindes eingreife. Besonders seit ich Folgendes erfahren hatte: Das Baby erschafft die Plazenta selbst aus seinen eigenen Zellen! Es ist sein eigenes Organ mit dem es sich mit seiner Mama austauschen kann. Zehn Monate lang hat dieses Organ mein Baby in der Gebärmutter ernährt und geschützt. Es ihm direkt nach der Geburt zu entreißen, fühlte sich für mich nicht richtig an. Stattdessen wünschte ich mir, dass mein Kind in Ruhe loslassen darf. Deswegen die Lotusgeburt!

Nach der Geburt

Nachdem die Plazenta geboren war, prüfte die Hebamme sie und legte sie dann in ein Sieb über eine Schüssel. Die Nabelschnur war weich und elastisch. So ließen wir die Schüssel die ersten Stunden einfach offen neben unserem Baby stehen. Nachmittags wuschen wir die Plazenta dann mit Wasser ab und rieben sie mit einer Mischung aus Meersalz und Lavendelblüten ein. Dann legten wir sie mit Salz bedeckt in einen Topf, denn sie war noch sehr nass.

Die Lavendelblüten hatte ich einige Wochen vorher gesammelt und getrocknet. Sie sind kein Muss, aber wirken antibakteriell und riechen gut. Vor dem Schlafen nahmen wir die Plazenta aus dem Topf, schüttelten das Salz grob ab und wickelten sie in Baumwolltücher. So legten wir sie dann auf eine wasserdichte Unterlage neben das Baby.

Am 2. Tag

Am nächsten Morgen packte ich die Plazenta aus, klopfte das feuchte Salz ab und rieb sie erneut mit Meersalz und Blüten ein. Ich wickelte sie in ein frisches Tuch und gab dieses Tuch in eine Baumwolltasche, die ich locker zuknotete. Mit der Baumwolltasche konnte man das Paket jetzt gut hochheben. Nun war die Plazenta auch schon viel weniger feucht als am Vortag und es brauchte keine wasserdichte Unterlage mehr darunter.

Die Prozedur wiederholten wir nun morgens und abends und die Plazenta wurde stetig trockener und kleiner. Die Nabelschnur war bereits am Tag nach der Geburt nahezu komplett durchgetrocknet. Unsere Hebamme sagte, dass sei prima. Sie hatte bereits Erfahrung mit drei anderen Lotusgeburten und war jedes Mal positiv überrascht, wie schnell die Nabelschnur mit dieser Methode trocknete. Nur machte uns die trockene Nabelschnur die Handhabung zusehends schwieriger. Bei jedem Bewegen des Babys mussten wir die Plazentatasche mitbewegen und darauf achten, dass die Schnur locker bleibt.

Am 3. Tag

An Leons drittem Lebenstag war die Nabelschnur schon komplett trocken, bis hin zum Nabelansatz. Man kann sie sich vorstellen wie einen dünnen Zweig oder wie die Wurzeln von Orchideen. Die Schnur fing auch schon an sich vom Nabel zu lösen. Nur ein dünnes Bändchen hielt noch die Verbindung zu Leons Bauch. Bei jeder Bewegung mussten wir darauf achten, die Plazenta nicht so zu bewegen, dass wir die Schnur aus Versehen abreißen. Wir wollten ja auf keinen Fall, dass es Leon weh tun könnte! So kam es, dass wir uns nachmittags spontan entschieden, die Schnur abzutrennen. Es fühlte sich dann einfach richtig an. Unsere Hebamme hatte uns gezeigt, wo wir sie abschneiden sollen, falls wir uns dazu entschließen. Marco desinfizierte eine scharfe Schere und schnitt die trockene Schnur circa drei Zentimeter vom Nabel entfernt ab. Leon zeigte dabei keine besondere Reaktion. Er war ganz friedlich.

Am 5. Tag

Nachdem die Plazenta abgetrennt war, konnten wir Leon viel einfacher bewegen und das war eine große Erleichterung! Wir waren froh, die Lotusgeburt gemacht zu haben, aber dann auch umso dankbarer für diese Vereinfachung. Die Plazenta mit der Nabelschnur ließen wir im Salz liegend in der Heizung fertig durchtrocknen. Der kleine Stummel an Leons Bauch hing noch knapp zwei Tage lang locker herum und war völlig unproblematisch. Dann fiel er an Leons fünftem Lebenstag beim Windelwechsel einfach ab. Zurück blieb ein wundersüßer, hübscher Nabel 🙂

Leons Nabel nach der Lotusgeburt

Unsere Plazenta-Erdweihe

Abschließend wollten wir die Plazenta in einem schönen Ritual, einer sogenannten Plazenta-Erdweihe, unter einem Baum vergraben. Gut zwei Wochen nach Leons Geburt organisierten wir dafür eine kleine Feier mit unserem Team und Leons frischgebackenen Omas, die uns besuchen kamen. Oma Annelie, meine Mama, brachte einen jungen Apfelbaum für Leon als Geschenk mit.

Marco suchte mit Holger zusammen eine passende Stelle für den Baum im TamanGa-Garten. Dann grub er ein tiefes Loch und bereitete Erde und Laub vor. Ich verpackte die trockene Plazenta hübsch in ein großes Blatt und steckte ein paar Blümchen daran.

Für die Zeremonie versammelten wir uns im Kreis rund um das ausgehobene Loch für den Baum. Heiko las einen schönen Text vor und rührte mich damit sofort zu Tränen. Ich dankte allen Anwesenden für ihre Unterstützung in der Schwangerschaft und ihre Anteilnahme an Leons Ankunft. Mich an die wunderschöne Geburt zu erinnern und zu begreifen, dass mein Kind gesund und friedlich bei uns ist, im Kreise so toller Menschen, rührte mich sehr. Das war ein sehr schöner Moment.

Auch Marco ergriff das Wort und bedankte sich bei Allen, bevor er dann zur Tat schritt um den Baum zu pflanzen…

Nach der Zeremonie saßen wir noch gemütlich zusammen bei Kaffee und Kuchen, genauer gesagt einer wunderschönen, rohveganen Torte. Die hatte wieder mal die liebe Rohkostexpertin Christin Brockmann für uns gezaubert <3

Rohvegane Himbeer-Schokoladentorte

Unser Fazit

Wir waren beide sehr glücklich darüber, die Lotusgeburt mit Leon gemacht zu haben. Auch mit der Entscheidung, die Nabelschnur am dritten Tag doch abzuschneiden, fühlen wir uns wohl. Das Schöne ist ja, dass man da nach seinem Gefühl gehen und in der Situation selbst entscheiden kann. Und auch die Plazenta-Erdweihe war sehr schön für uns. So konnten wir Leon auf dieser Erde willkommen heißen und ihm mit dem Baum eine Erinnerung für’s Leben schenken. Beim nächsten Kind würden wir das gerne wieder machen 🙂

Wir würden uns wünschen, dass mehr Eltern sich trauen ihrem Kind so einen sanften Start ins Leben zu schenken. Auch wenn es am Anfang erst Mal unbekannt ist und Überwindung kostet. Die Plazenta leistet dem Baby so große Dienste und ist ein bisschen wie sein Geschwisterchen. Diese Verbindung zu würdigen ist aus unserer Erfahrung sehr schön und wertvoll.

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6 Comments

  1. Wunderschön. Ein Leben in Frieden Euch allen von Herzen.

  2. Danke fürs Teilen, berührt mich sehr. Zu meiner Zeit Anfang 2000 war das hier noch nicht bekannt. Schön, dass es jetzt vermehrt die Runde macht. Ich wünsche dir und deinem Sohn alles, alles Gute!! Auf dass er sein Selbst -sich!- in diesem Leben verwirklichen kann.

    • Karin

      6. Oktober 2017 at 22:38

      Danke dir, Samanda! Du hast wohl damals eine Lotusgeburt gemacht? Wie war das für dich? Hast du gewartet, bis die Nabelschnur abgefallen ist? Das würde mich und sicherlich auch die anderen LeserInnen interessieren! 🙂
      Grüße,
      Karin

  3. Liebe Karin
    Bei einer „nicht-Lotusgeburt“ fällt doch der vertrocknete Nabelschnurrest auch nach einigen Tagen von selbst ab, ich verstehe den Unterschied nicht. Es laufen keine Nervenbahnen in der Nabelschnur, sobald das Kind geboren wurde, stellt sich der Blutkreislauf um auf Eigenständig und eben nicht mehr über Plazenta, es wird also nichts mehr „unterbrochen“, die Plazenta arbeitet zum Zeitpunkt der Geburt eh nicht mehr richtig (u.a darum wird das Kind ja auch geboren), ist also längst bereit, aufgegeben zu werden. Warum lasst ihr sie so lange noch im wahrsten Sinne hängen? Man kann doch auch die Klemmen an der Nabelschnur nicht direkt am Bauch setzen, dann ist sie auch länger. Ihr sagt ja selbst wie erlösend es war, sie vertrocknet dann doch endlich zu durchtrennen und dann ihr euer Kind endlich richtig heben konntet. Wäre dies nicht schon ab Tag 1 viel wichtiger als auf die vertrocknende Nabelschnur aufpassen zu müssen und die Plazenta gut zu verpacken?
    Liebe Grüsse
    Ellen

    • Karin

      8. Oktober 2017 at 22:33

      Liebe Ellen,
      ein Unterschied ist, wie schnell die Nabelschnur bzw. der Stumpf trocknet. Bei der Lotusgeburt trocknet sie in der Regel anscheinend viel schneller als beim abgeschnittenen Stumpf. Das bemerkte auch meine Hebamme, die von rund 1500 Geburten mit uns die 3. Lotusgeburt erlebte. Da der abgeschnittene Stumpf wie eine offen Wunde ist und eben länger feucht bleibt, kann hier das Infektionsrisiko höher liegen als bei der Lotusgeburt.
      Dass die Plazenta ab der Geburt nicht mehr wichtig ist, stimmt so nicht. Es findet noch reger Austausch zwischen dem Baby und der Plazenta statt bis die Nabelschnur aufhört zu pulsieren. Es ist immens wichtig, bis zum Auspulsieren zu warten, wenn man sie abschneidet! So kann all das Blut zum Baby fließen und dadurch beispeilweise seine Sauerstoffversorgung gewährleistet werden und sein Eisenwert stabil bleiben. Beim allgemein üblichen Abnabeln innerhalb der ersten Lebensminuten verliert das Baby bis zu 1/3 seines Bluts, weil das noch in der Plazenta ist! Hierzu ein Artikel einer Hebamme: http://www.hebammenwissen.info/durchtrennen-der-nabelschnur/

      Nach dem Auspulsieren findet kein materieller Austausch mehr zwischen Baby und Plazenta statt. Trotzdem scheint die Lotusgeburt einige Vorteile für das Kind zu bieten, von denen ich in all den Erfahrungsberichten anderer Eltern gehört und gelesen hatte. Auf diese Erfahrung habe ich meine Entscheidung gestützt. Zum Beispiel sollen Lotuskinder entspannter sein, besser schlafen und weniger schreien.

      Das Handling des Babys mit Plazenta dran ist sicher unpraktischer als ohne. Doch diesen „Mehraufwand“ haben wir gern auf uns genommen. Viel bewegen braucht/sollte man das Baby am Anfang eh nicht. Unsere Unbeholfenheit lag auch daran, dass wir als frischgebackene Eltern noch total unsicher waren, wie wir so ein Neugeborenes überhaupt anfassen können. Beim nächsten Kind werden wir voraussichtlich wieder eine Lotusgeburt machen und dann wird es uns sicher auch einfacher fallen.

      Liebe Grüße,
      Karin

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